top of page

Zum Thema - zum Begriff

Ihre psychische Widerstandskraft als Schutzschild im Wandel

Resilienz in Farbe.jpg

Der Begriff Resilienz (engl. resilience) stammt vom lateinischen Verb resilire / resilio („zurückspringen“, „abprallen“). Als wissenschaftlicher Terminus taucht er jedoch erst Jahrhunderte später auf – und zwar stufenweise in ganz unterschiedlichen Disziplinen. Das deutsche Wort „Resilienz“ selbst ist ein Lehnwort aus dem Englischen und wird in der deutschsprachigen Wissenschaft erst im 20. Jahrhundert geläufig. Die Erstbelege sind daher fast durchweg lateinisch oder englisch.

1. Antike: das lateinische Verb, noch kein Fachbegriff

Das Verb resilire erscheint bereits in klassischen lateinischen Werken, dort aber als alltagssprachliche bzw. literarische Bezeichnung für Rücksprung, Abprall oder Kontraktion – nicht als wissenschaftliches Konzept. Wichtige Stellen:

  • Titus Lucretius Carus, De rerum natura (um 60 v. Chr.), Buch IV, Verse 311–313: Spiegelbilder „springen zurück“ (resilire) von Gegenständen.

  • Plinius der Ältere, Naturalis historia 9.71 und 11.39: Springen von Flöhen und Fröschen.

  • Weitere Belege bei Cicero (Orationes), Ovid (Metamorphosen 12.480), Seneca d. Ä., Livius, Quintilian (Institutio oratoria 12.10.56) und Vitruv.

Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit wandert das Wort ins Französische (résiler: einen Vertrag zurücknehmen) und 1529 ins Englische als Verb to resile (u. a. in den State Papers Heinrichs VIII.). Das ist juristisch-sprachlich, nicht naturwissenschaftlich.

2. 17. Jahrhundert: erste naturwissenschaftliche Verwendung

Francis Bacon, Sylva Sylvarum: or, A Natural History in Ten Centuries (geschrieben um 1625, posthum 1626/27 erschienen).

Das Oxford English Dictionary und die Standardstudie von Alexander werten dies als erste bekannte wissenschaftliche Verwendung des Substantivs resilience im Englischen. Bacon verwendet den Begriff in Century III (Experiment um Nr. 245) bei der Untersuchung von Echos: ob es eine solche resilience (Rückwurf) von Schallwellen gebe, je nachdem, wo man zum reflektierenden Körper stehe. Er überträgt damit das lateinische „Zurückspringen“ auf ein physikalisches Phänomen (akustischer Rückprall).

Johann Amos Comenius, Physicae ad lumen divinum reformatae synopsis (Leipzig 1633; englische Fassung 1651: Naturall Philosophie Reformed by Divine Light, or A Synopsis of Physicks).

Comenius übernimmt Bacons Begriff als lateinisch resilentia bzw. englisch resilience und macht ihn auf dem Kontinent bekannt.

Erste Lexikondefinition: Thomas Blount, Glossographia (1656) – doppelte Bedeutung: „zurückprallen“ und „sein Wort zurücknehmen“.

3. 19. Jahrhundert: Materialwissenschaft und Mechanik

Hier wird resilience erstmals quantitativ definiert: als Fähigkeit eines Werkstoffs, Stoßenergie aufzunehmen und danach in die Ausgangsform zurückzukehren.

Thomas Young, A Course of Lectures on Natural Philosophy and the Mechanical Arts, London 1807, Lecture XIII („On passive strength and friction“):

„The action which resists pressure is called strength, and that which resists impulse may properly be termed resilience.“

Young unterscheidet damit Festigkeit (Widerstand gegen ruhende Last) von Resilienz (Widerstand gegen Impuls/Stoß). Das ist die erste explizite physikalisch-technische Definition.

Thomas Tredgold, zwei Aufsätze im Philosophical Magazine Band 51 (1818):

  • „On the transverse strength and resilience of timber“, S. 214–216

  • „On the resilience of materials; with experiments“, S. 276–279

Tredgold misst experimentell die „Resilienz“ von Holz (Lärche, Eiche u. a.) als Widerstand gegen fallende Gewichte. In seinem späteren Practical Essay on the Strength of Cast Iron and other Metals (1822/1824) erscheint bereits ein modulus of resilience. Das sind die ersten eigenen wissenschaftlichen Abhandlungen, die den Begriff im Titel tragen.

William John Macquorn Rankine, A Manual of Applied Mechanics, London 1858.

Rankine gibt die ingenieurwissenschaftlich kanonische Fassung: Resilienz als Arbeit, die bis zur Elastizitätsgrenze in einem Stab gespeichert wird (halbes Produkt aus Spannung und Dehnung an der Elastizitätsgrenze). Alexander nennt Rankine 1858 oft die „erste ernsthafte Verwendung in der Mechanik“ – Young und Tredgold sind jedoch früher; Rankine macht den Begriff zum Standard der Festigkeitslehre.

Robert Mallet verwendet in den 1850er/1860er Jahren den modulus of resilience für Artillerie- und Schiffsmaterialien und überträgt ihn auf Erdbebenforschung, vor allem in Great Neapolitan Earthquake of 1857: The First Principles of Observational Seismology (1862).

Im Deutschen des 19. Jahrhunderts sprach man in diesem Zusammenhang nicht von „Resilienz“, sondern von Elastizität, Federkraft, Rückprall oder Arbeitsvermögen.

4. 20. Jahrhundert: Psychologie und Ökologie

Psychologie – Jack Block

  • Jack Block, unveröffentlichte Dissertation, Stanford University 1950: An experimental investigation of the construct of ego-control – hier erscheint ego-resiliency als Persönlichkeitskonstrukt. Block selbst hat später (1996) angegeben, dies sei möglicherweise die erste konzeptuelle Verwendung in der Psychologie.

  • Jeanne H. Block, analoge Dissertation 1951.

  • Kanonische Publikation: Jeanne H. Block / Jack Block, „The role of ego-control and ego-resiliency in the organization of behavior“, in: W. A. Collins (Hrsg.), Development of Cognition, Affect, and Social Relations (Minnesota Symposia on Child Psychology), 1980.

Empirischer Durchbruch: Emmy E. Werner und Ruth S. Smith, Kauai-Längsschnittstudie; Buch The Children of Kauai (1971, erweiterte Fassungen 1977). Später Vulnerable but Invincible (1982). Parallel dazu Norman Garmezy (University of Minnesota, ab den 1960er/1970er Jahren) zur kindlichen Entwicklung unter Stress.

Ökologie – C. S. Holling

Crawford Stanley Holling, „Resilience and Stability of Ecological Systems“, Annual Review of Ecology and Systematics 4 (1973), S. 1–23.

Holling definiert Resilienz als

„a measure of the persistence of systems and of their ability to absorb change and disturbance and still maintain the same relationships between populations or state variables“ (S. 14).

Dieser Aufsatz gilt als Gründungstext der ökologischen Resilienzforschung und wird häufig – fälschlich – als „Erfindung“ des Begriffs genannt. Tatsächlich überträgt Holling ein bereits Jahrhunderte altes Wort auf Ökosysteme und unterscheidet dabei engineering resilience (Rückkehr zum Gleichgewicht) von ecological resilience (Persistenz trotz Zustandswechsel).

Kurzüberblick der Erstwerke

Epoche

Werk

Autor

Bedeutung

um 60 v. Chr.

De rerum natura IV

Lukrez

erstes bekanntes resilire (Spiegelreflexion)

1626/27

Sylva Sylvarum

Francis Bacon

erste wissenschaftliche Verwendung von resilience (Echos)

1633

Physicae synopsis

J. A. Comenius

Verbreitung auf dem Kontinent

1807

Lectures on Natural Philosophy

Thomas Young

erste physikalisch-technische Definition

1818

Phil. Mag. 51, 214–216 und 276–279

Thomas Tredgold

erste Experimentalarbeiten mit resilience im Titel

1858

A Manual of Applied Mechanics

W. J. M. Rankine

quantitative ingenieurwissenschaftliche Standarddefinition

1950

Dissertation Stanford

Jack Block

ego-resiliency in der Psychologie

1971

The Children of Kauai

Werner / Smith

empirischer Durchbruch der Resilienzforschung

1973

Ann. Rev. Ecol. Syst. 4, 1–23

C. S. Holling

Gründungstext der ökologischen Resilienz

Die maßgebliche etymologische Studie dazu ist David E. Alexander, „Resilience and disaster risk reduction: an etymological journey“, Natural Hazards and Earth System Sciences 13 (2013), S.

Hintergrund

Resilienz - über das Thema im Wandel der Zeit

This is a space to share more about your business: who's behind it, what it does and what this site has to offer. It’s an opportunity to tell the story behind the business or describe a special service or product it offers. You can use this section to share your company's history or highlight a particular feature that sets it apart from competitors.

Hintergrund

Resilienz - über das Thema im Wandel der Zeit

This is a space to share more about your business: who's behind it, what it does and what this site has to offer. It’s an opportunity to tell the story behind the business or describe a special service or product it offers. You can use this section to share your company's history or highlight a particular feature that sets it apart from competitors.

Hintergrund

Resilienz - über das Thema im Wandel der Zeit

This is a space to share more about your business: who's behind it, what it does and what this site has to offer. It’s an opportunity to tell the story behind the business or describe a special service or product it offers. You can use this section to share your company's history or highlight a particular feature that sets it apart from competitors.

Wege zu Ihrer persönlichen Resilienz

Category Name

Category Name

Category Name

Category Name

Category Name

Category Name

Category Name

Category Name

Top Blog Post

Most read this week

bottom of page